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Bevor die Zeit zu Ende geht

“Kein Mensch ist so beschäftigt, dass er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist.”

Robert Lembke, dt. Journalist

“Ich würde gerne mehr mit den Kleinen spielen. Leider habe ich nicht genug Zeit dafür.”

Jeder kennt ein ähnliches Beispiel. Wann haben Sie das letzte Mal gesagt, dass Sie für etwas nicht genug Zeit haben?

Der eine hat nicht genug Zeit um Sport zu treiben, der andere nicht genug Zeit zum Lernen einer neuen Sprache. Als ich klein war habe ich mich oft gefragt, was die Großen damit meinen. In der Schule hatte ich doch gelernt, dass eine Stunde 60 Minuten hat, eine Minute wiederum 60 Sekunden und durch meinen Freund, der immer die Stoppuhr beim Fußballspielen hatte, wusste ich, dass sich Sekunden auch noch in Zehntel und Hundertstel einteilen ließen.

Was ich nicht verstand: Diese Unterteilung in Minuten und Sekunden war doch für jeden Menschen gleich. Und Menschen leben auch durchschnittlich gleich lange, wie kann es dann sein, dass einige weniger Zeit als andere zur Verfügung haben? Wie kann es sein, dass der eine für das Training 30 Minuten Zeit hat, der andere aber keine Zeit dazu findet? Damals wusste ich noch nicht, dass die Welt nicht nur schwarz-weiß ist, sondern zudem auch noch viele Mischmaschfarben besitzt. Und damals dachte ich noch, dass alle Großen klüger wären als die Kleinen.

Heute weiß ich, dass ich mich irrte. Denn es stimmt sehr wohl, alle haben gleich viel Zeit zur Verfügung. Die Uhr tickt immer. Die Frage ist nur, was ich mit dieser Zeit anfange? Was sind meine Prioritäten? Was ist mir wichtig?

Wenn jemand nicht genug Zeit für etwas hat, dann heißt das eigentlich, dass es ihm nicht wichtig genug erscheint. Ich möchte damit niemandem zu nahe treten, oft machen wir es uns gar nicht bewusst, für was wir grade keine Zeit haben. Aber wer sich dabei erwischt, dass er keine Zeit hat seinen Kindern beim aufwachsen zuzusehen, der sollte ernsthaft seine Prioritäten überdenken.

“Zeitverschwendung ist die leichteste aller Verschwendungen.”

Henry Ford, amerik. Industrieller

Ehrlich gesagt, wir sind sehr verschwenderisch mit unserer Zeit. Leider ist es so eingerichtet, dass wir unsere Zeit auf einer großen Kreditkarte verbuchen und niemand weiß, wie viel noch auf dem Konto ist. Es wäre viel einfacher für uns, wenn wir unsere Zeit in einem Portmonee mittragen würden und stets wüssten, wie viel wir zur Verfügung haben. Denn dann würden wir – ähnlich wie im Umgang mit unserem Geld – ganz genau darauf achten, für was wir unsere Zeitmünzen ausgeben, worin wir unsere Zeit investieren.

Heute habe ich einen Kollegen angerufen, um mit ihm die Herangehensweise eines Problems zu klären. Im Team waren vorher zahlreiche E-Mails hin und hergegangen. Dann habe ich mir gedacht: Es kostet dich nur ein Drittel deiner Zeit, wenn du ihn anrufst. Am Ende habe ich zwei Minuten gebraucht. Ein entsprechender  E-Mail-Verkehr hätte mehr Zeit in Anspruch genommen.

Gerade weil die Uhr immer weiter tickt, ist das einzige was Zeit wertvoll macht unser Umgang mit ihr. Der Wert Ihrer Zeit steigt mit der Verwendung für solche Dinge, die Ihnen wichtig sind. Beispiel Arbeitszeit: Der Grundgedanke dahinter, dass ein Chef mehr Gehalt bekommt als ein einfacher Arbeiter ist der, dass der Chef in der gleichen Zeit Entscheidungen trifft, die bedeutender für das Gesamtunternehmen sind als das Andrehen der Schraube. (Leider gehen oft die Leute in den Chefetagen nicht sonderlich gut mit ihrer Zeit um.) Man geht dann gut mit seiner Zeit um, wenn man sich oder andere in der Zeit durch seine Aktivitäten etwas gutes tut.

Eines ist nicht witzig, wenn man über die Zeit spricht: Das Ende der Zeit. Wir mögen zwar – nicht wie bei unserem Geld – die Erfahrung machen, dass wir einmal keine Zeit zur Verfügung haben, aber für uns alle wird der Moment kommen, an dem uns die Zeit ausgehen wird.

Und wem die Zeit ausgeht, der sollte hoffen, dass er sie gut investiert hat.  Im Gegensatz zum Geldkonto kann das Zeitkonto nicht wieder ausgeglichen werden.

Und genau aus dem Grunde sollten Sie sich fragen: Was ist wichtig? Was ist mein Zielbild? Welche Linien sind notwendig, damit man erkennt, was das Bild im Groben ausmacht? Wie kann ich es verfeinern? Und dann sollten Sie auf den Tag bezogen Fragen: Was ist heute wichtig? Was ist meine Tagesaufgabe? Wie kann ich heute meinem Zielbild näher kommen?

Ich will nicht, dass Sie nun anfangen zu eilen und durch das Leben hetzen. Machen Sie sich den Umgang mit Ihrer Zeit bewusst. Verbringen Sie Ihre Zeit weise. Lügen Sie sich nicht selbst an, indem Sie sagen: „Ich habe da keine Zeit zu“. Sondern sagen Sie bewusst: „Das ist mir nicht wichtig.“ Und wer das zu sich sagen kann, der verschwendet keine Zeit mehr.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen noch?

“Uns gehört nur die Stunde. Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.”

Theodor Fontane, dt. Autor

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