357° – Four, der Film und das Interview

Wer sich diese Kreativitätsförderung in allen Bereichen zur Aufgabe macht, dem ist es eine Ehrensache auf kreatives Schaffen mit höchstem Niveau hinzuweisen. Daher möchte ich Ihnen im heutigen Samstagartikel den Film „Four“ der aktuellen Aachener Produktionsgruppe „357°“  (Florian Feiter, Robert Goesch, Felix Kasiske) vorstellen. Der Film hatte vorgestern auf der Showtime der FH Aachen Premiere.

Auf der Website 357grad.com habe ich bereits dazu einen Kommentar veröffentlicht, den ich hier wiedergeben möchte, mit einer kleinen Ergänzung:

Erst mal möchte ich die geniale Musik loben, die der große Stimmungsmacher ist. Der ganze Film beginnt mit einer wahren Verwöhnung der Ohren und fängt so den Zuschauer für den ganzen Film ein.

Dann kommt das plötzliche Klicken des Kugelschreibers. Es ist ein Bruch. Es stört. Und es verfehlt seine bedeutende Wirkung nicht: Die störenden Geräusche stören gar nicht, sie drängen sich auf, bestimmen die Welt unseres Kopfes und tragen so zur großen Identifikation bei. Ich als Zuschauer merkte mitten im Film, dass ich mich fühle als wäre ich selbst die Hauptfigur, als würde ich selber dieses emotionale Chaos durchmachen.  Ein großes Lob dem Schauspieler und seiner wunderschönen Handschrift.

Dazu tragen auch der herausragende Filmschnitt und die reife Kameraführung bei:  Das Papier so nah als würde man selbst schreiben, das Gesicht so nah als sähe man sich selbst im Spiegel. Dann dieser Schauplatz, der so leer und so heruntergekommen ist wie das verzweifelte Gehirn.  Und dann auf einmal (man hat mich aufgeklärt, es liegt an der Tiefenschärfe) eine Unschärfe, wie der Blick zwischen Tränen, wie eine suche nach der Klarheit in einer Welt der Unbestimmtheit.

Und dann dieser im Hintergrund liegende Schrei. Als wäre man taub. Als wandle man zwischen Innen- und Außenwelt und kann sich selbst nur noch aus der Ferne hören. Der ganze Film ist der großartige Beweis, das Kreativität und Kunst letztlich ein ansprechendes und zum denken aufforderndes Werk wird. Und ein unheimlich emotionales Werk, wie das Menschenleben mit all seinen „Unfällen“ unheimlich emotional ist. Auch ich war den Tränen nah.

Ich möchte danke sagen, für diesen großartigen Film!

Lassen Sie sich diesen Film nicht entgehen!

Idee & Umsetzung: Florian Feiter, Robert Goesch, Felix Kasiske

Ton & Musik: Simon Martin, Daniel Flamm

Stimme: Jörg Fricke

Darsteller: Elias Ordelmans

Four, das Interview mit Robert Goesch zum Film von 357°

Erste Frage: Der Film „Four“  ist das Werk der „357° Filmproduktion“. Was steckt hinter dem Namen des Produktionsteams?

360° steht für den Rundumblick, für das Ganze.  Von 357° zu 360° fehlen 3°. Für diese fehlenden 3° stehen wir, die Filmschaffenden (Florian Feiter, Robert Goesch, Felix Kasiske), mit uns soll der Rundumblick ermöglicht werden. Dabei können wir selbstverständlich nicht alle Blickwinkel bedienen, aber wir wollen versuchen damit auf künstlerischer und konzeptioneller Ebene Probleme aufzugreifen. Man könnte sagen wir sind ein Teil des Ganzen, der es ermöglicht Einblicke die 360° zu geben.

Wie habt ihr drei euch gefunden?

Wir haben uns vor knapp einem Jahr kennengelernt. Wir studieren alle an der FH Aachen Kommunikationsdesign und haben mit dem Film „four“ unser erstes gemeinsames Projekt begonnen. Das bedeutet nicht, dass wir zwingend die folgenden Filme zusammen machen werden. Das ist eher unwahrscheinlich. Sowohl aus zeitlichen Gründen als auch studienbedingt. Sicher ist jedoch, dass Felix Kasiske und ich Film als Schwerpunktthema im Studium besetzen und daraus weitere Filme wachsen werden. Die sind sogar schon in Planung.

Ich denke, was bei dieser Konstellation wichtig war, sind die gemeinsamen Interessen. Wir waren uns in den Vorstellungen unserer Arbeit einig

Also ist der Film ein Ergebnis der FH? Was war die Aufgabe hinter dem Film?

Man kann nicht sagen, dass der Film ein Ergebnis der FH ist. Ausgangssituation war der AV-Technikkurs der FH. Die Vorgabe war: Einen Kurzfilm von ca. 2 Minuten Länge erstellen.

Filmkurse werden erst ab dem dritten Semester angeboten.

Das bedeutet, eigentlich traut euch die FH Aachen so einen Film noch gar nicht zu? Die Aufgabe klingt ja eher wie Kindern das Zeichnen beibringen und nicht wie der Auftrag zu einem großen Gemälde.

Das Konzept, die Idee und Umsetzung war vollkommen freigestellt, was uns eine derartige Arbeit erst möglich machte. Daher bin ich froh, dass wir den Film vollkommen in Eigenverantwortung drehen durften.

Was verbirgt sich hinter dem mysteriösen Titel „four“?

Es gibt bei der Stress- bzw. Problembehebung frei nach Verena Kast vier Phasen, die der Mensch durchlebt: denial, emotional chaos, search and seperation und acceptance. Diese vier Phasen sind in dem Film chronologisch Interpretiert worden.

Mit was habt ihr den Film gedreht?

Der Film ist mit der Nikon D 90 Digitalspiegelreflexkamera gefilmt worden. Die Kamera hat die Möglichkeit in HD aufzunehmen. Dadurch konnte ein solches Bild erzielt werden. Wir hatten uns vorgenommen, jede Einstellung wie ein Foto zu arrangieren.

Es gibt zwei Kameraführungen. Warum?

Der Film ist aufgebaut in zwei Unterschiedliche Ebenen. Zum einen die gedankliche Ebene, zum anderen die Gefühlsebene. In der Gefühlsebene wird der Protagonist gezeigt und die Kamera läuft gegen den Uhrzeigersinn. Dabei ist eine kontinuierliche Bewegung zu spüren, welche man als kreisende Gedanken interpretieren kann. Die statischen Aufnahmen symbolisieren die immer wieder neu auftretenden Gedanken, welche als Flashs auftreten. Über die Gedanken wird das Thema des Films vermittelt.

In der Kommentarbox auf eurer Seite häufen sich die Fragen nach der Musik. Habt ihr ein bestehendes Lied aufgegriffen?

Uns war wichtig, alles aus eigenen Stücken zu machen, so auch die Musik. Die Musik wurde extra für diesen Film komponiert und der Liedtext zum Film geschrieben. Als Song wird es voraussichtlich nicht veröffentlicht. An dieser Stelle noch einmal einen recht herzlichen Dank an Simon Martin und Daniel Flamm, die den Song komponiert haben. Gesungen wurde das Lied von Jörg Fricke, welcher als Percussionist bei Maradona spielt.

Durch diese Zusammenarbeit konnten wir eine perfekte Vertonung und Interpretation unseres Films erreichen.

Was sagt uns der Blick von Schauspieler Elias Ordelmans am Ende des Films?

Am Ende des Films wechselt das bewegte Bild der Gefühlsebene in eine statische Porträtaufnahme. Dieser kleine Einstellungswechsel ist uns besonders wichtig, da das die letzte Phase acceptance verdeutlicht. Der Entschluss bzw. die Gedanken des Zuschauers bleiben dadurch frei und wir hoffen damit die Frage nach dem „was würdest du tun?“ durch den Blick zum Zuschauer aufzuwerfen.

Wann kommt der nächste Film?

Momentan stehen meinerseits drei Produktionen an: Wobei ich nicht sagen kann, wann die genaue Veröffentlichung sein wird. Definitiv folgen Filme im nächsten Jahr. Mehr verrate ich noch nicht. Es wird breit gefächert sein.

Das Interview führe Lukas Rütten mit Robert Goesch
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