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Vortrag: Lernen, Merken, Erinnern, Wissen

Um Ihnen das Lesen des nachfolgenden Vortrages zu vereinfachen, habe ich Überschriften eingefügt und die allerwichtigsten Aussagen unterstrichen. Außerdem habe ich den Vortrag für die Blog-Version durch einige Übersichtslisten erweitert und Ihnen Links hinzugefügt.

Der menschliche Verstand und der Computer

Der frühere amerikanische Präsident John F. Kennedy sagte einmal: „Der Mensch ist immer noch der beste Computer.“ Ohne in diesen Vergleich – der zweifelsohne auch heute noch zu Gunsten des Menschen ausgehen muss – vertiefen zu wollen, bietet er doch eine interessante Grundlage. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstand eine neue Perspektive auf den menschlichen Verstand, die ähnlich dem Computer – die Informationsverarbeitung in den  Vordergrund stellt. Eingabegeräte entsprechen unserer Wahrnehmung. Mit Hilfe von Operationen wird dann das Eingegebene verarbeitet und in Form von Arbeitsspeichern zwischengespeichert und verbleibt auf der Festplatte oder wird – ähnlich den menschlichen Schrifterzeugnissen – auf einer CD-ROM festgehalten oder ausgedruckt. Auf der Festplatte gespeicherte Dateien können schließlich aufgerufen werden, so wie menschliche Erinnerungen ins Bewusstsein rücken. Dazu bedient sich der Computer unterschiedlichen Programmen, ebenso wie der Mensch Denkmuster und Heuristiken benutzt.

Kognitionspsychologie

Diese Anschauung hat letztlich die Kognitionspsychologie (auch: Kognitive Psychologie)  als „Schule der Informationsverarbeitung“ hervorgerufen, welche sich vor allem mit sieben Aspekten beschäftigt (Mehr dazu: Faszination Gehirn): Intelligenz, Sprache, Denken und Problemlösen, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedächtnis.

  • Intelligenz: Kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen in Form von Erkenntnisvermögen, Urteilsfähigkeit, Erfassen von Möglichkeiten, Begreifen von Zusammenhängen, haben von Einsichten, geistige Auffassungskraft (Westhoff 1985).
  • Sprache: Zum Ausdruck bringende, etwas mitteilende Handlungen und damit im Zusammenhang stehende Zeichensysteme.
  • Denken und Problemlösen: Mit Hilfe von Denkprozessen die Diskrepanz von Zielvorstellung und Ausgangszustand überbrücken. Diese Denkprozesse bestehen vor allem in einer Symbolverarbeitung mit Hilfe von Gedächtnisinhalten.
  • Aufmerksamkeit: Zuweisung von Bewusstseinsressourcen auf Bewusstseinshalte, beispielsweise auf Wahrnehmung des eigenen Verhaltens und Handelns, oder von Gedanken und Gefühlen.
  • Wahrnehmung: Subjektives Erfahren von Reizen.
  • Gedächtnis: Fähigkeit, aufgenommene Informationen zu behalten, zu ordnen und wieder abzurufen.

Diese drei Definitionsmerkmale des Begriffes „Gedächtnis“ – auch als die drei Rs bezeichnet (registration, retention, retrieval) – kann man als Brücke zwischen der Umwelt und dem eigenen Verstand aufgreifen. Vielleicht ist es mit Hilfe eines Bildes einfacher zu erkennen, was da in ganz unterschiedlichen Regionen unseres Gehirns geschieht, wenn wir von „Gedächtnis“ sprechen:

Wissensnetz und Gedächtnis

Ich stelle mir vor, dass wir spätestens mit unserer Geburt in eine reißende Flut der Informationen geworfen wurden. Dabei müssen wir ein Sieb entwickeln, um die relevanten von den unrelevanten Informationen zu trennen. Dies ist das Sieb des Wissens. Ein Filter. Unsere Sinnesorgane übernehmen gemeinsam mit unserer Aufmerksamkeit und unserem Bewusstsein diese Aufgabe. Der nächste Schritt besteht dann darin, die hereingelassenen Informationen in ein Netz des Wissens einzuflechten. Die Besonderheit ist, dass dieses Netz nicht gleichmäßig geknüpft ist, sondern an einigen Stellen sehr weitmaschig, an anderen sehr eng. Neue Informationen müssen also manchmal ganz viele Verknüpfungsfäden bekommen, um Halt zu finden und unserem Netz nicht wieder zu entwischen (Mehr dazu: Prüfungsvorbereitung). Wer intelligent sein will, eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit besitzen möchte, der braucht nicht viele Informationen in seinem Netz, sondern eine besonders dichte Knüpfstruktur. (Mir ist bewusst, dass das eine das andere zum Teil bedingt.)

Die meisten gehen davon aus, dass ein gutes Gedächtnis eine besondere Begabung oder ein Talent ist (Mehr dazu: 11 Gründe für ein gutes Gedächtnis) . Tatsächlich legen Untersuchungen nahe, dass man sowohl eine Veranlagung für ein gutes Gedächtnis hat, aber auch, dass man durch Anwendung entsprechender Technik weit bessere Resultate beim Lernen erzielen kann. Lernen beziehungsweise einprägen bedeutet den Vorgang, viele Verknüpfungsfäden auszubilden.

„Lernen im weitesten Sinne ist Aufnehmen, subjektives Einordnen und Bereithalten von Erfahrungen, von Wissens- und Erlebnisinhalten. Dies ist eine besondere Fähigkeit des Menschen, durch die er auf die Ansprüche der Umwelt effizient reagieren kann.“

(Zöpfl/Bittner/Mühlbauer/Tschamler 1975)

Lerntechniken

Lernen erfordert bestimmte Lerntechniken. Lerntechnik beschreibt die Anwendung von besonderen Methoden und Prinzipien um bestimmte Fähigkeiten, Kompetenzen oder Gedächtnisinhalte zu erwerben. Diese können einzeln oder in Kombination angewandt werden. Ich habe eine Lerntechnik beschrieben, die eine Reihe erfolgreicher Methoden und Prinzipien verwendet und sich in vier grobe Schritte gliedern lässt: 1. Die Informationsaufnahme (vor allem in Form von Lesen und Hören), 2. die Verarbeitung der Informationen durch ordnen und verknüpfen, 3. das Einprägen der Informationen und 4. das Abrufen der Informationen (Mehr dazu: Die 8 Dimensionen des ganzheitlichen Lernkonzepts). Dies entspricht den drei Merkmalen, mit denen wir den Begriff „Gedächtnis“ definiert haben, erweitert um das „Einprägen der Informationen“. Eingeprägte Informationen sind eigentlich das Ergebnis der beiden ersten Teilprozesse. Lerntechniken finden aber nur dann ihre Anwendung, wenn das Einprägen der Information nicht das Produkt unbewussten Lernens ist, sondern bewusst gepaukt, gebüffelt und gedrillt werden muss. (Ich lehne stures Auswendiglernen allerdings entschieden ab!). Folgende Methoden (Verfahren) finden dabei in meine Lerntechnik Eingang:

Informationsaufnahme:

  • SQ3R (in ihrer Erweiterung als organische Studienmethode B.O.S.T nach Tony Buzan): Lesemethode, die besonders effektiv im Bezug auf den Lerneffekt ist. Die fünf Buchstaben stehen für die fünf englischen Begriffe Survey, Question, Read, Recite und Review.
  • Speed Reading: Ziel ist ein gleichmäßiger und durchgängiger Lesestil. Dadurch lassen sich mit wenigen Blickstopps mehrere Wörter gleichzeitig aufnehmen und durch das Befolgen weiterer Prinzipien und Tipps lässt sich der Leseaufwand deutlich reduzieren. (Mehr dazu: 20% lesen, alles verstehen; Wie man mehr als 70 Bücher in einem Jahr liest)
  • TQ3L: Methode zur aktiven Teilnahme des Lerners im Lehr-Lern-Prozess. Die englischen Begriffe stehen für Tune In, Question, Look at the Speaker, Listen, Look over.

Informationsverarbeitung:

  • Flow-Based Note-Taking: Das Ziel ist es, dass die Aufzeichnungen eine Oberfläche an Verbindungen und assoziierten Ideen darstellt – möglichst so, wie diese einen erreichen. Das lineare Notizsystem ist starr, fluide Formate haben höhere Lerneffekte, dafür sind sie auch etwas unordentlicher (Dementsprechend verurteile ich lineare Notizen nicht, alles hat seine Zeit.)
  • Mind Mapping: Ein weiteres Notizsystem, dass schon deutlich ordentlicher ist und radiales Denken fördert. (Mehr dazu: Mind Maps)
  • Metaphorisierung: Wer in Metaphern denkt, macht sich das in Bild und Realität wirkende Hintergrundprinzip bewusst.
  • Mnemonik: Einsatz von komplexen Methoden der Mnemotechnik (Gedächtniskunst, Erinnerungskunst) und einfachen Merkhilfen.

Informationseinprägung:

  • Lernkartei (nach S. Leitner): Hierzu wird auf die Vorderseite einer Karte ein Stichwort geschrieben und auf die Rückseite die Lösung. Mit Hilfe mehrerer Fächer ist ein Wiederholungssystem möglich, mit dem genau die Fakten rekapituliert werden, die noch nicht verinnerlicht sind.
  • Frage-Antwort-Spiel: Noch besser ist es, statt eines Stichwortes eine Frage zu notieren. Unser Gehirn liebt es Fragen zu beantworten und es simuliert eher die Situation in einer Prüfung.
  • Vortragssimulation: Wenn Sie die Fragen der Lernkartei beantworten, sollten Sie nicht nur stur die Antwort auf der Karte geben. Simulieren Sie vielmehr einen Vortrag, während dem Ihnen Vertiefungsfragen aus dem Auditorium gestellt werden.

Informationsabruf:

  • Testen: Testen Sie Ihr erworbenes Können, in dem Sie Fragen aus früheren Tests beantworten oder passende Aufgaben lösen.
  • Crawling: Durchsuchen Sie wie die Crawler der Suchmaschinen im Internet Ihr Netz des Wissens, in dem Sie noch einmal Ihre Unterlagen durchgehen und Lücken ausfindig machen und diese ggf. auffüllen.

Um Informationen möglichst gut in das eigene Wissensnetz einzubinden, muss eine Lerntechnik mindestens eine geeignete Methode zur Informationsverarbeitung enthalten. Wer jedoch mehrere Methoden zur Verfügung hat, kann ausweichen, wenn eine Methode einmal nicht funktionieren sollte. Eine Methoden im Bereich Informationsverarbeitung funktioniert dann nicht, wenn mit Hilfe der Methode keine Verknüpfung zwischen der einen Information und den anderen zu einem Modell erfolgen kann. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Methode gänzlich ungeeignet ist. Sie funktioniert nur bei diesem Lerngegenstand nicht.

Modelle müssen Sie sich als Informationsansammlungen vorstellen, wobei die eine Information der anderen Sinn gibt. Ein Messer hat im Kontext Flughafensicherung eine abweichende Bedeutung zum Kontext Frühstückstisch. Das Messer kann allerdings in beiden Kontexten auftauchen. Dementsprechend darf man sich ein Modell auch nicht als undurchlässig vorstellen. Vielmehr stehen die Modelle und die in den Modellen befindlichen Informationen auch mit anderen Modellen in Verbindung.

Mnemonik

Mnemonik verwende ich, wenn nichts anderes funktioniert. Manchmal muss man Inhalte lernen, zu denen man kaum Anknüpfungspunkte in seinem Wissensnetz besitzt. Wenn die anderen Methoden keine Anknüpfungspunkte finden, gebe ich jedoch nicht nach dem Motto „ich kann das einfach nicht lernen“ auf, sondern nutze Methoden, die man als Mnemonik verstehen kann.

Mnemonik:

  • Farbenpracht: Fantasie, alle Sinne einsetzen (Synästhesie/Sensualität), Reihenfolgen, Ordnung und Systeme, Bewegungen, Erotik/Sexualität, Nummern und Zahlen, Positive Vorstellungen, Reichtum an Farben, Assoziation, Codes, Humor, Tiefe Eindrücke (Übertreibung). (Mehr dazu: Ihr Weg zum Power-Gedächtnis)
  • PEG-System: Eine Technik, um sich eine Reihe von Zahlen einfach zu merken.
  • Major/Master-Methode: Die Hauptidee des Major Systems besteht darin die Zahlen von 0 bis 9 mit Buchstaben oder Konsonanten zu ersetzen und danach mit diesen Buchstaben kürze Wörter – Auslöser zu bilden.
  • SEM3: Erweiterung der Master-Methode um eine Selbsterweiterndes Auslösersystem
  • Routen/Loci-System (auch: Römischer Raum): Die Grundidee des Loci-Systems besteht darin, Lerninhalte auf einem bekannten (oder auch konstruierten) Weg zu deponieren, der sich dann mental abgehen lässt.

Mnemonik wird gleichbedeutend mit Mnemotechnik (gr. mnéme „Gedächtnis/Erinnerung“ und téchne „Kunst“). Der Begriff entstand im 19. Jahrhundert als Kunstwort für die ars memoria (auch: ars reminiscentiae), die Gedächtniskunst. Die Methoden der Mnemonik sind eher komplex. Mnemonik wird vor allem eingesetzt, um Anknüpfungspunkte zu konstruieren, damit man neue Informationen ins eigene Wissensnetz einweben kann.

Interne Merkhilfen

Demgegenüber stehen einfache Merkhilfen, die oft bei Alltagsproblemen eingesetzt werden. Wenn Sie für eine Prüfung lernen müssen und eine einfache Merkhilfe verwenden, werden Sie den Inhalt auch relativ schnell vergessen haben. Es handelt sich bei der Prüfung also um ein Alltagsproblem, das überwunden werden soll. Die Informationen müssen nur kurzfristig bereitgehalten werden. Langfristiges Lernen funktioniert so allerdings nicht. Deshalb unterscheidet sich das Lernen für Prüfungen auch fundamental vom Lernen „fürs Leben“, also dem Erwerb von Expertentum beziehungsweise Professionalität. Dieser Unterschied soll allerdings nur angedeutet bleiben, wir uns weiter mit dem „echten“, langfristigen Wissenserwerb beschäftigen.

Wissenserwerb bedeutet immer, das Informationen in unser Wissensnetz eingewebt werden. Beim langfristigen Wissenserwerb sind die Informationen gut im Netz vertäut, andernfalls hängen die Informationen nur am Bindfaden.

Gedächtnispalast – Die Landkarte ist nicht das Gebiet

Gerne stelle ich mir aber auch mein Gedächtnis in Form eines großen Palastes vor, die Konstrukte, miteinander in direkter Verbindung stehende Informationseinheiten, sind die Räume des Palastes. Jeder Raum ist mit unzähligen anderen Zimmern über Gänge, Flure und Treppen verbunden (Vielleicht ein bisschen wie die Flure von Hogwarts aus Harry Potter). Dieses Bild von der Anordnung der Gedächtnisinhalte verwende ich auch als Visualisierungsmethode für neue Informationen, wenn ich diese mit verschiedenen Merkmethoden einüben will. Man kann also sagen, meine Merktechnik ist ein „Gedächtnispalast“.

Die Idee vom Gedächtnispalast ist für mich auch eine Repräsentation für universales Wissen (Mehr dazu: Gedächtnispalast). Lernende erschaffen im Lernprozess ein mentales Modell von der Welt in der wir leben (Wissenschaftliche Theorie: Konstruktivismus). Jeder Mensch hat ein eigenes Modell der Welt, da er ein einzigartiges Wesen mit einer ganz eigenen Wahrnehmungsweise ist. Entsprechend orientiert sich das Handeln eines Menschen nicht nach der Realität, sondern nach seinem mentalen Modell der Welt. Dieses mentale Modell kann man sich wie eine Landkarte vorstellen. Die Landkarte ist aber eben nicht das Gebiet.

Meine Überzeugung ist es, dass diese inneren Landkarten anerkannt werden müssen, man muss sie würdigen und kann sie – wie ein Kundschafter – den jeweiligen Zielen und Wünschen entsprechend erweitern. Ein guter Kundschafter versucht die Grenzen des bekannten Landes immer weiter hinauszuverschieben. Dabei zieht er nicht nur in eine Himmelsrichtung, sein Ziel ist es vielmehr, alles kennenzulernen (Mehr dazu: 22 Weisheiten – der harte Weg zum Leben). Ein Mensch, der die Grenzen seiner inneren Landkarte immer weiter verschieben wollte war  das Universalgenie Leonardo da Vinci. Er erprobte sich in vielen Künsten: Malerei, Bildhauerei, Architektur, Anatomie, Mechanik, Ingenieurswesen und Naturphilosophie.

Externe Merkhilfen

Um es noch einmal herauszustellen: Merken ist der Prozess, den wir unserem Gedächtnis zuschreiben. Ich habe seine Komponenten bereits erläutert: Informationen aufnehmen, behalten und ordnen und wieder abrufen. Dies geschieht oft unbewusst, wenn es bewusst geschieht, können wir es mit unserem alltäglichen Begriff „Lernen“ bezeichnen. Dazu verwendet man beim langfristigen Lernen unterschiedliche Methoden einer Lerntechnik, zu der auch – quasi als Subtechnik – merktechnische Methoden gehören. Kurzfristig lassen sich Informationen aber auch durch interne Merkhilfen wie Eselsbrücken merken, oder auch durch externe Merkhilfen.

Externe Merkhilfen sind Technologien, die uns beim Erinnern helfen. Sie dienen oft dem Erinnern von Informationen, welche mit relativ eintönigen Aufgaben zusammenhängen. Im Bereich des Selbstmanagment beispielsweise das rechtzeitige Erinnern von Art und Umfang einer Aufgabe oder eines Termins. Oder im Bereich der Dokumentverwaltung das Ordner- und Dateisystem im Computer oder in Form von Aktenordnern, Heftern und Mappen zu Hause beziehungsweise im Büro. Für solche Erinnerungen verwende ich Hilfsmittel, wie den Finder in meinem Macbook, den Kalender zur Terminverwaltung und das Programm Things zur Aufgabenverwaltung. Letztere sind kompatibel mit meinem iPod. Und mindestens den habe ich bei mir. (Mehr dazu: Wie Sie Ihre Arbeit erledigt bekommen, Häppchen für Häppchen; Sieben Prüfungen sollst du leisten.)

Wenn Sie sich an den eingangs formulierten Vergleich von Computer und Gehirn erinnern, dann ist es jetzt sehr einfach nachvollziehbar für Sie, wenn ich Ihnen sage, dass Sie mit diesen eintönigen Aufgaben Ihren Arbeitsspeicher überlasten. Ihr Verstand ist mit diesen eintönigen Arbeiten unheimlich belastet, denn er muss dafür sorgen, dass die Erinnerungen zwar im Hintergrund bleiben, aber rechtzeitig in den Vordergrund rücken und nicht völlig ausgeblendet werden. Wie die im Hintergrund verlaufenden Prozesse des Betriebssystems, die den Arbeitsspeicher belasten. Wenn Sie allerdings gut sind, lagern Sie diese Aufgaben aus Ihrem Gehirn aus und nutzen externe Merktechnologien. Wenn Sie diese Merktechnologien in ein System wie beispielsweise das Getting Things Done von David Allen einbinden, dann wird nicht nur die Information festgehalten, sondern ist auch rechtzeitig wieder parat. Sie können die Kapazität Ihres Verstandes jetzt für Wesentlicheres verwenden und gelangen so zu einem wasserklaren Geist. (Mehr dazu: Die Dinge geregelt kriegen.)

Dieser wasserklare Geist ermöglicht Ihrem Verstand eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit zu bringen. Dies bedeutet es, seine Landkarte zu erweitern, die Welt kennenzulernen, zu Lernen, Erfahrungen zu sammeln. Allerdings ist dies nicht alles. Nur Erfahrungen zu sammeln macht nicht glücklich. Begeisterung kann man nur durch eine Kombination aus Lernen und Dienen erlangen. Setzen Sie Ihren Verstand ein, um nicht nur ihre eigene innere Landkarte zu verändern, sondern auch die äußere Welt, die Realität (Mehr dazu: Wasserklarer Geist; Das Leben genießen und sich gut dabei fühlen).

Die Grenzen sind noch nicht ausgereizt

Zum Ende möchte ich Sie noch darauf aufmerksam machen, dass mein kleiner Vortrag längst nicht die Grenzen des Gedächtnis-Landes ausgereizt hat. Viele Fragen zum Gedächtnis bleiben offen, die Wissenschaft wird – vermutlich besonders vorangetrieben durch die Neurowissenschaft und die Forschung an Menschen mit Savant-Syndrom (Inselbegabung) – in Zukunft weitere Erkenntnisse liefern, die das Netz dichter werden lassen. Ebenso war es mir – und ich denke Sie sind ganz froh darüber – nicht möglich, den aktuellen Kenntnisstand über die Mechanismen unseres Verstandes vollständig wiederzugeben. Jedoch wird es genügen, um Erfahrungen zu sammeln und die Welt ein Stückchen besser zu machen.

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