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Faszination Gehirn

Haben Sie in der Schule etwas über das Gehirn und seinen  optimalen Gebrauch gelernt? – Keine Sorge, wir holen das nach

In der Schule ist es – ohne Mind Mapping und Master Memory – hängengeblieben: Nervenzellen kommunizieren miteinander.

Wir wollen den Blick auf die größeren Systeme lenken, zu denen sich die Neuronen kombiniere, um Körper und Geist zu kommandieren.

Zunächst die harten Fakten:

  • Das Neuron bildet die Basiseinheit des Nervensystems. Es empfängt, verarbeitet und überträgt Infos zu den anderen Zellen, Drüsen und Muskeln.
  • Neues Zellwachstum und Lebenserfahrungen beeinflussen die Modifikation des Gehirns nach der Geburt.
  • Das Zentralnervensystem (ZNS) umfasst Hirn und Rückenmark. Außerdem sind noch das periphere und das autonome Nervensystem zu nennen.
  • Das Hirn besteht aus drei Schichten: Hirnstamm, limbischen System und dem Großhirn.
  • Das Großhirn überwacht die höheren mentalen Funktionen.
  • Der Hirnstamm kümmert sich um die Atmung, Verdauung und den Herzschlag und
  • Das limbische System ist unter anderem am Langzeitgedächtnis beteiligt.
  • Einige Gehirnfunktionen liegen auf einer bestimmten Hirnhälfte (Hemisphäre), man sagt sie sind „lateralisiert”. Aber alles läuft – im Normalfall – reibungslos zusammen.
  • Die Linke arbeitet eher analytisch und logisch, die Rechte holistisch und kreativ.

Von Tentakeln und Webstühlen – was uns die Gehirnforschung sagt

Wussten Sie, dass Ihr Gehirn aus 100 Milliarden Nervenzellen besteht? – mindestens!

Optimistischere Schätzungen gehen von einer Billionen und mehr Gehirnzellen (Neuronen) aus.

„Wir können aufzeigen, dass jede der zehn Milliarden Neuronen im menschlichen Gehirn eine Verknüpfungsmöglichkeit von einer Eins mit 28 Nullen hat! Wenn ein einziges Neuron über dieses Potenzial verfügt, können wir uns kaum vorstellen, was das ganze Gehirn zu leisten vermag. Dies bedeutet, dass die gesamte Zahl der Verknüpfungsmöglichkeiten im Gehirn ausgeschrieben eine Eins gefolgt von 10,5 Millionen Kilometer Nullen wäre!

Bisher gibt es keinen Menschen, der das Potenzial seines Gehirns vollständig nutzen kann. Deshalb akzeptieren wir keinerlei pessimistische Einschätzung über die Grenzen des Gehirns. Es gibt keine!”

Pjotr Kouzmich Anokhin 1973, The Forming of Natural and Artificial Intelligence

Ihr Gehirn folgt der Natur: Nerven sind strukturiert wie Bäume oder Tintenfische

Stellen Sie sich vor, bei einem Tauchgang im trüb-blauen Wasser begegnen Sie einem Tintenfisch mit seinem großen Leib und den langen Tentakeln mit hunderten von Saugnäpfen. Bei einer Nervenzelle begegnen wir keinem großen Tier, sondern nur einer nicht einmal stecknadelkleinen Zelle.

Dendros, das bedeutet: Der Baum. Schon wird uns die Struktur unseres Nervensystems klar. Ausgehend von einem riesigen Stamm gibt es immer kleinere Vernetzungen und Verästelungen. Ein besonders großer Ast ist der Hauptweg für alle rausgehenden Informationen: Das Axon.

Wenn eine Information als elektrischer Impuls durch das Axon bis zur präsynaptischen Endigung gelangt, wird dort ein Botenstoff ans andere Ufer der Synapse geschickt. Dort erzeugt er wieder einen elektrischen Impuls und auf diesem Wege saust die Information durch das ganze Gehirn.

Stellen Sie sich diesen Vorgang einfach als das Telefonnetz Ihres Körpers vor. Wo besonders häufig telefoniert wird, laufen die Drähte heiß. Das bedeutet, ein neuer Gedanke hinterlässt im Gehirn seine Spur. Und wird der Gedanke wiederholt, wird aus der Spur langsam ein Trampelpfad, dann ein Weg und vielleicht eine Straße. Diese Metapher stellt eines der wichtigsten Gebiete in der Gehirnforschung dar. Wieso können wir denken? Wie entstehen Assoziationen und neue Ideen? Wieso können wir uns das eine merken und das andere nicht?

Je öfter Sie einen Trampelpfad laufen desto breiter und ausgetretener wird er. Wiederholung formt also ein Gedankenmuster in Ihrem Gehirn und es entsteht eine „Landkarte Ihrer Gedanken”. Je häufiger eine Wiederholung stattfindet, desto wahrscheinlicher wird auch die Chance, dass Sie sich zu gegebenen Zeitpunkt an Ihren Gedanken erinnern können. Eine Landkarte Ihrer Gedankenwelt .

“Rasch verwandelt sich das gesamte Gehirn in einen verzauberten Webstuhl, in dem Millionen blitzender Schiffchen vergängliche Muster weben, voller Bedeutung, nie gleich bleibend, im steten Fluss immer neuer harmonischer Motive.”

Sir Charles Sherrington

Um Ihre inneren Strukturen und Abläufe spiegeln zu können, ein Abbild der Gedankenlandkarte zu erstellen, hat Tony Buzan das Mind Mapping erfunden. Das Konzept des Radialen Denkens gibt Ihnen den Kompass mit in den Wald.

Geteiltes Gehirn – machen Sie wieder beide Hälften aktiv

Die zwei Gehirnhemisphären

Nachdem wir uns nun mit den biologischen Gegebenheiten noch einmal vertraut gemacht haben, möchte ich heute eine der wichtigsten Erkenntnisse der Gehirnforschung offenlegen: Sie haben 2 Gehirne.

Zugegeben, das ist nicht ganz richtig: Genau genommen besteht ihr Großhirn aus zwei Teilen. In der Wirtschaft würde man von einem doppelten Vorstand sprechen. Sie können sich das Ganze wie das innere einer Walnuss vorstellen. Die beiden Hemisphären sind für zwei sehr unterschiedliche mentale Bereiche zuständig.

Das entscheidende für uns ist aber, dass diese beiden Hälften durch einen Balken von Nervenfasern miteinander verbunden sind, dem Corpus Callosum.

Linke Gehirnhälfte: Logik – Rechte Gehirnhälfte: Kreativität

Beide Hälften sehen sich recht ähnlich, aber Dr. Roger Sperry und sein Team haben herausgefunden, dass die beiden Hälften sehr unterschiedlich mit den Aufgaben umgehen, die an sie gestellt werden. Die eine Seite ist also nicht das Ersatzteillager der anderen, wie öfters einmal angenommen wird.

Die linke Seite (rechts und links beziehen sich auf den Gehirnbesitzer), ist im Wesentlichen für all das Zuständig, was wir mit Logik, Analyse, Linearität, Zahlen, Hierarchien, Sprache und Urteil verbinden. Die linke Gehirnhemisphäre geht sequentiell (Schritt für Schritt nacheinander) vor.

Während die linke Seite arbeitet, ist die rechte in einer Art Ruhezustand, der sogenannten „Alpha-Welle”. Doch wenn sich die wissenschaftliche linke Hälfte ausruht, dann schießt die rechte Gehirnseite mit ihren Aktivitäten los: Rhythmus, Musik, Fantasie, Bilder, Visionen, Kreativität, Dimensionen, Muster, Gesichter, Farbe und Parallelität. Die rechte Gehirnhemisphäre ist eher intuitiv und spontan bei der Aufgabenbewältigung.

3 Dinge, die Sie vielleicht noch nicht wissen

Jetzt zu den Forschungsergebnissen der Gehirnforschung, die oft in Schule und Aus- und Weiterbildung unterm Tisch liegen bleiben:

Wenn man Fähigkeiten in einem der beiden Bereiche erweitert, geht das nicht zu Kosten des anderen Bereichs oder anderer Fähigkeiten. Im Gegenteil: Oft wird das Potenzial aller Fähigkeiten dadurch erhöht.

Beide Gehirnhälften verfügen erstaunlicher Weise (wie Professeror Zaidel herausfand) auch über recht viele Fähigkeiten der Gegenseite. Das bedeutet, dass der Aufgabenbereich, den eine Gehirnhälfte abdecken kann, erheblich größer ist.

An dieser Stelle muss die Liste kurz unterbrochen werden. Auf den ersten Blick scheinen berühmte Persönlichkeiten nur eine der beiden Gehirnhälften besonders ausgeprägt zu haben: Einstein mit seinen Formeln und Wissenschaften die Linke, Picasso eher die künstlerische Rechte, etc.

Aber die Biographieforschung zeigt uns ein anderes Bild: Einstein war Geigenspieler und ein großer Teil Phantasie und Tagträumerei brachte ihn zu seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, was er selbst auch immer wieder eingeräumt hat. Das bedeutet:

Eine Synthese aus rechten und linken Gehirnfunktionen führt zum enormen geistigen Potenzial der „großen Gehirne”. Schon die Gehirnanatomie gibt mit dem Corpus Callosum einen Aufschluss darauf, dass diese Synthese von der Natur gewollt ist. Eine Trennung geht immer nur von uns, dem bewussten Menschen, aus.

Ein überragendes Beispiel für diese Synthese nimmt ein Mann der Renaissance ein, der zu seiner Zeit einer der ganz Großen in vielen Disziplinen war: Malerei, Bildhauerei, Physiologie, Ingenieurwesen, Physik, Meteorologie, Erfindung, Luftfahrt und Naturwissenschaften. Ich spreche von Leonardo da Vinci.

Was bedeutet das aber für uns?

Wenn wir davon sprechen, in einem Bereich besonders talentiert zu sein, und in dem anderen nicht so begabt, dann sprechen wir in Wahrheit von unterschiedlich gut entwickelten Fähigkeiten unserer beiden Gehirnhälften. Von Menschen, die wir als Genies bezeichnen, können wir also annehmen, dass sie sich in allen Fähigkeiten immer weiter entwickelt haben. Techniken wie Mind Mapping, Speed Reading und Memoriertechniken erwecken damit ein riesiges Potenzial – denn sie verwenden die Fähigkeiten beider Gehirnhälften und bringen sie in Synthese.

Der Beweis, dass eine Weiterentwicklung in allen Fähigkeiten ein ungeheures Potenzial entwickelt und zu enormen Größen von  geistiger Flexibilität und mentaler Jugend führt, erbringt uns ein Brite: Tony Buzan, der es mit seinen Methoden geschafft hat, einer der Menschen mit der höchsten kreativen Intelligenz zu werden. Für mich ist Tony Buzan eines meiner beiden großen Vorbilder: Neben Leonardo da Vinci.

Unser Gehirn ist eine Kamera! Falsch: Unser Gehirn ist ein Hologramm

Heute Nachmittag habe ich eine wunderschöne Frau gesehen, Lackierauszubildende (wie meine linke Gehirnhälfte nach ihrer Kleidung schloss), die mir auf der Straße entgegenkam. Eigentlich waren es nur Lichtpunkte die von einem Objekt reflektiert auf meine Netzhaut vielen. Das Bild wurde schließlich von den Billionen Nervenzellen mit ihren bis zu 100 000 Querverbindungen wieder zusammengesetzt und ich erhielt ein Bild davon, was draußen ablief. Natürlich habe ich die Dame angelächelt und bestimmt wurden in meinem Körper auch tausende Hormone und Stoffe losgeschossen. Aber eigentlich ist der Vorgang ganz simpel: Da draußen, außerhalb meines Körpers, gibt es eine Wirklichkeit die meine Sinne (in dem Fall das Auge) wahrgenommen haben und als elektrochemische Impulse ans Gehirn weitergeleitet haben. Dort irgendwo  entstand dann ein Bild aus diesen Signalen und gleich wurden tausende Verknüpfungen hergestellt, Informationen und Details miteinander verbunden. Alles wie bei einer Kamera – dachte man.

Unser Gehirn ist ein Hologramm

Wenn Sie Ihre Augen schließen und sich an etwas erinnern, so wie ich an meine Lackiererin, dann vollbringen Sie die gleiche Leistung, wie wenn Sie den Film Ihres letzten Familienfestes vorführen. Jetzt kommt die größere Leistung Ihres Gehirns. Vergrößern Sie doch mal das Bild und lassen Sie es rotieren, ändern Sie die Farbe und lassen Sie es schließlich wieder verschwinden. Das ganze widerholen Sie drei Mal in beliebiger Reihenfolge. Mit einem Video auf einem einfachen Fernseher können Sie das nicht – und selbst am Computer würde es einige Arbeitsschritte und vielleicht auch einiges an Arbeitsspeicher kosten.

Das Gehirn ist viel komplexer als eine Kamera

Zum Glück kennen wir mittlerweile einen viel besseren Vergleich:

„Ein Hologramm ist ein dreidimensionales Lichtbild, das mittels eines Laserstrahls erzeugt wird. Dieses Phänomen wird erzeugt, wenn ein einzelner Laserstrahl in zwei separate Strahlen aufgeteilt wird. Der erste Strahl wird von dem zu fotografierenden Objekt reflektiert. Dem zweiten Strahl erlaubt man mit dem reflektierten Strahl zu kollidieren. Das daraus resultierende Muster wird auf einen Film aufgenommen. Das Bild eines holographischen Films ist kodiert und hat für das bloße Auge keinerlei Ähnlichkeit mit dem aufgenommenen Gegenstand. Es besteht aus unregelmäßigen Wellenlinien, die als Interferenzmuster bezeichnet werden. Die anschließende Projektion sieht wie ein Abdruck des Originals aus und ist dreidimensional. Man kann es von allen Seiten und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Die Dreidimensionalität solcher Bilder ist nicht das einzige bemerkenswerte Merkmal von Hologrammen. Wenn das Hologramm einer Rose halbiert wird und dann von einem Laser angestrahlt wird, wird man nach wie vor in jeder der beiden Hälften das komplette Bild der Rose wieder finden. Teilt man diese Stücke noch einmal, wird man noch immer das gesamte Abbild der Rose, wenn auch kleiner, erkennen können. Im Unterschied zu normalen Fotografien beinhaltet jeder Teil eines Hologramms die Gesamtinformation des kompletten Bildes.

Die “Alles in Einem-” Eigenart eines Hologramms offenbart uns eine vollkommen neue Art des Verständnisses von Organisation und Ordnung in der Natur.”

In den 1920er Jahren musste Karl Lashley nämlich feststellen, dass es ihm nicht gelang, Erinnerungen für Arbeitsabläufe aus den Gehirnen von Ratten zu löschen, wenn er Teile des Gehirns entfernte.

Der Neurophysiologe Karl Pribram stieß auf das holographische Modell, als er überlegte, wie Erinnerung zu Stande kommt. Offenbar wurden Erinnerungen nicht an einer Stelle sondern überall über das Gehirn verteilt gespeichert. Pribram ging davon aus, dass Erinnerungen nicht in einzelnen Nervenzellen gespeichert wurden, sondern als Muster von Nervenimpulsen über das ganze Gehirn verteilt.

„Pribram glaubt, dass das Gehirn selbst ein Hologramm ist.”

Wenn Sie jemandem auffordern, Erinnerungen an das Wort „Rose” wiederzugeben, muss er nicht erst in seinem Gehirn unter „R” nachschlagen – wie bei Wikipedia oder der Encyclopædia Britannica. Die Assoziationen stehen sofort zur Verfügung – wie beim holographischen Prinzip. Jedes Stück Information steht sofort mit jeder anderen Information in Beziehung.

Trotzdem bleibt das Hologramm statisch. Die Bewegungstricks, zu denen ich Sie oben aufgefordert hatte, kann es nicht nachmachen. Die Rose wird nicht erst rot, dann gelb und dann grün sein und auch nicht plötzlich größer werden oder sogar verschwinden.Ihre neuronale Fotoplatte können Sie immer weiter beschreiben und so unendlich viele Impulsmuster erstellen!

Oben habe ich beschrieben, dass aus den Impulsmustern wieder Bilder entstehen. Das Gehirn erhält von Augenblick zu Augenblick durch die Sinne eine Flut von Frequenzen (Licht, Gerüche, Geschmäcker, Berührungen, Wärme, etc.). Wie schafft das Gehirn es, diese Frequenzen alle zu verarbeiten? Auch auf diese bisher ungeklärte Frage bietet das holographische Modell eine Antwort:

„Das Verschlüsseln und Entschlüsseln von Frequenzen ist genau das, was ein Hologramm am besten kann. Genau wie ein Hologramm als eine Art Linse funktioniert, als ein Übersetzungsapparat, der anscheinend bedeutungslose Frequenzen in ein einheitliches Bild konvertieren kann, so glaubt Pribram, dass das Gehirn ebenso eine Linse darstellt und sich holographischen Prinzipien bedient, um die Frequenzen, die es empfängt, durch die Sinne mathematisch in die innere Welt unserer Wahrnehmung zu wandeln. Eine stattliche Fülle an Beweisen lässt darauf schließen, dass das Gehirn bei seiner Arbeit holographische Prinzipien befolgt.”

(Zitate aus: „Ist das Universum ein Hologramm?” von Robert Jansen am 31.07.2007 auf http://www.allmystery.de/artikel/universum_hologramm.shtml.)

Warum ein IQ-Test nicht alles über Ihre Intelligenz aussagt

Im 20. Jahrhundert begann man damit, die individuellen Intelligenzunterschiede von Menschen, zu messen. Der französische Psychologe Alfred Binet untersuchte in Paris Schüler um festzustellen, wer für den regulären Unterricht geeignet ist und wer nicht. Intelligenztests waren schon vorher bekannt, bezogen sich dann aber auf motorische Eigenschaften oder aber auf das Reaktionsvermögen des Probanden.

Binet hatte zwar keine brauchbare Definition von Intelligenz, entwickelte aber ein neues Testverfahren: Nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ hatte er Kategorien in den Bereichen Gedächtnis, Vorstellungsvermögen, Aufmerksamkeit und Verständnis aufgestellt und definierte fortan Intelligenz als Das, „was Intelligenztests messen.“ Seine Motive waren dabei edel: Er wollte verhindern, dass Schüler von Lehrern fälschlich als dumm abgestempelt wurden – das bedeutet aber auch, dass Intelligenztests immer nur eine Momentaufnahme sind.

Bis in die heutige Zeit wird der Ansatz von Binet weiterverfolgt. Noch immer herrscht kein Konsens über die Definition von Intelligenz – auch wenn sich die Experten darin übereinstimmen, dass Abstraktionsfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Lernen dabei eine wichtige Rolle einnehmen.

Sicher gehören auch die Widerstandskraft gegenüber Stress und Ablenkung, oder aber emotionale Stabilität und Selbstvertrauen sowie visuelles Auffassungsvermögen und Sozialkompetenzen dazu. Eine entscheidende Rolle bei Intelligenztests können auch das Interesse am Lernen, die Motivation zur Mitarbeit und das eigene Leistungsvermögen haben.

Das Handeln des Menschen hängt von seiner Kultur ab. Und die Intelligenz eines Menschen hängt von seinem Handeln ab. Intelligenz ist Kulturabhängig, was auch bedeutet, dass jede Kultur eine andere Definition von Intelligenz mit sich bringt. In der einen wird das Verständnis für das Zusammenspiel von Zahnrädern geschätzt, in der anderen das jagen von Fischen mit Speeren.

IQ-Tests eröffnen also trotz ihrer methodischen Vorgehensweise zwei Probleme. Es fehlt die Entwicklung aus dem Ansatz „Wie funktioniert das Gehirn?“. Das zweite Problem ist noch viel simpler und heißt „Was genau wollen wir eigentlich testen?“ (Definition von Intelligenz)  und „Welchen Aufschluss geben uns die Testergebnisse?“ – Konventionelle Intelligenztests messen also nur einen kleinen Teil der Gesamtintelligenz eines Menschen: Akademische Inhalte aus den Bereichen Sprache und Mathematik/Logik.

Intelligenz ist keine einheitliche Fähigkeit

Der amerikanische Kognitions- und Intelligenz-Forscher Howard Gardner – einer der bedeutendsten Fachleute auf seinem Gebiet – hat aufgrund einer Vielzahl von Studien an Erwachsenen, Wunderkindern, Hirngeschädigten und “Idiots savants” dazu aufgerufen, sich von der Vorstellung einer einheitlichen Intelligenz zu verabschieden.

Für Gardner besteht Intelligenz in der “Fähigkeit, Probleme zu lösen oder Produkte zu schaffen, die im Rahmen einer oder mehrerer Kulturen gefragt sind.” Gardner lehnt den herkömmlichen IQ-Test und die entsprechenden biometrischen Verfahren ab, auch wenn er zugesteht, dass sich schulische Erfolge mit Hilfe von Intelligenztests im Allgemeinen gut vorhersagen lassen. Dass dem so ist, liegt daran dass Schule, wie sie heute praktiziert wird, zu einseitig jene Fähigkeiten in den Vordergrund des Lernens rückt, die im Bereich sprachlicher (linguistischer) und logisch-mathematischer liegen.

Die Theorie der multiplen Intelligenzen

Auf Grund seiner Forschung entwickelte Gardner vor mehr als 20 Jahren die Theorie der multiplen Intelligenzen (MI-Modell):

  1. sprachlich-linguistische Intelligenz:
    Zur sprachlichen Intelligenz gehören die Sensibilität für die gesprochene und die geschriebene Sprache, die Fähigkeit, Sprachen zu lernen, und die Fähigkeit, Sprache zu bestimmten Zwecken zu gebrauchen. Rechtsanwälte, Redner, Schriftsteller und Dichter zählen zum Kreis der Personen mit hoher sprachlicher Intelligenz.
    Berühmte Persönlichkeiten, welche ein hohes Potenzial in der sprachlich-linguistischen Intelligenz besaßen, waren beispielsweise Homer, William Shakespeare und Johann Wolfgang von Goethe.
    Berufe: Dichter, Schriftsteller, Journalist, Rechtsanwalt, Sprachwissenschaftler etc.
  2. logisch-mathemathische Intelligenz:
    Zur logisch-mathematischen Intelligenz gehört die Fähigkeit, Probleme logisch zu analysieren, mathematische Operationen durchzuführen und wissenschaftliche Fragen zu untersuchen. Von der logisch-mathematischen Intelligenz machen Mathematiker, Logiker und Naturwissenschaftler Gebrauch.Berühmte Persönlichkeiten: Aristoteles, Euklid, Al-Chwarizmi, Pascal und Leibniz.
    Berufe: Wissenschaftler, Computerfachleute, Philosophen etc.
  3. musikalisch-rhythmische Intelligenz
    Musikalische Intelligenz bedeutet die Begabung zum Musizieren, zum Komponieren und Sinn für die musikalischen Prinzipien.
    Berühmte Persönlichkeiten: Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.
    Berufe: Musiker, Komponist, Dirigent etc.
  4. bildlich-räumliche Intelligenz
    Zur räumlichen Intelligenz gehört der theoretische und praktische Sinn einerseits für die Strukturen großer Räume, die zum Beispiel von Seeleuten und Piloten zu erfassen sind, andererseits aber auch für das Erfassen der enger begrenzten Raumfelder, die für Bildhauer, Chirurgen, Schachspieler, Graphiker oder Architekten wichtig sind.
    Berühmte Persönlichkeiten: Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael, Vincent van Gogh und Pablo Picasso.
    Berufe: Architekt, Künstler, Bildhauer, Schachspieler, Seefahrer, Kartograph etc.<
  5. körperlich-kinästhetische Intelligenz
    Die körperlich-kinästhetische Intelligenz enthält das Potenzial, den Körper und einzelne Körperteile (wie Hand oder Mund) zur Problemlösung oder zur Gestaltung von Produkten einzusetzen.Berufe: Sportler, Schauspieler, Tänzer, Chirurg etc.
  6. naturalistische Intelligenz
    In der Zwischenzeit spricht Gardner von einer weiteren Intelligenz: „Mein kritischer Durchgang lässt klar erkennen, dass die Erweiterung der ursprünglichen Siebenerliste um den Begriff der naturalistischen Intelligenz gerechtfertigt ist.“ Sie bezeichnet die Fähigkeit, Lebendiges zu beobachten, zu unterscheiden und zu erkennen, sowie eine Sensibilität für Naturphänomene zu entwickeln.
    Berühmte Persönlichkeiten: Isaac Newton, Charles Darwin und Albert Einstein.
    Berufe: Biologe, Förster, Botaniker, (Tier)Ärzte etc.
  7. interpersonale Intelligenz

Als interpersonale Intelligenz wurde die Fähigkeit bezeichnet, Absichten, Motive und Wünsche anderer Menschen zu verstehen und dementsprechend in der Lage zu sein, erfolgreich mit ihnen zu kooperieren (soziale Kompetenz). Verkäufer, Lehrer, Ärzte, führende Vertreter von Kirche und Staat, Schauspieler – sie alle sind in hohen Grad auf interpersonale Intelligenz angewiesen.
Berühmte Persönlichkeiten: Mahatma Gandhi, Mutter Theresa, Nelson Mandela und Kofi Annan.
Berufe: Therapeut, Politiker, Lehrer, Verkäufer etc.

  1. intrapersonale (emotionale) Intelligenz
    Die intrapersonelle Intelligenz schließlich ist die Fähigkeit, sich selbst zu verstehen, ein lebensgerechtes Bild der eigenen Persönlichkeit – mitsamt ihren Wünschen, Ängsten, Fähigkeiten – zu entwickeln und dieses Wissen im Alltag zu nutzen.
    Berufe: Schriftsteller, Schauspieler, Künstler etc.
  2. existenziell-spirituelle Intelligenz
    Gardner zieht neben diesen acht von ihm identifizierten Formen der Intelligenz noch eine weitere neunte in Betracht, die existenzielle Intelligenz oder spirituelle Intelligenz, bei der es um grundlegende Fragen der Existenz geht. Vertreter dieser potentiellen Intelligenz wären religiöse und geistige Führer.
    Berufe: Philosoph etc. (Ob diese Intelligenz tatsächlich als unabhängige Art gelten kann ist umstritten und bleibt weiterer Forschung überlassen. [Quellen: http://www.kooperatives-lernen.de/dc/netautor/napro4/appl/na_professional/parse.php?mlay_id=2500&mdoc_id=1000465, http://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_der_multiplen_Intelligenzen])

Gardner selbst zeigt, dass diese Liste möglicherweise noch nicht vollständig ist: Als er seine Theorie das erste Mal öffentlich machte, sprach er von nur 7 Intelligenzen.

Wenn Sie herausfinden wollen, wo Ihre Stärken bei den verschiedenen Arten von Intelligenzen liegen, gelangen Sie hier zu einem Selbsttest.

Was das alles für Sie bedeutet:

Für den Lernenden – und damit für Jeden – ist noch interessant, dass sich aus dem Verständnis von multiplen Intelligenzen zwei Konsequenzen ergeben:

1. Man kann an Lerninhalte auf unterschiedliche Weise herangehen. 8 Wege werden von der Theorie der multiplen Intelligenzen unterstützt. Versuchen Sie den Lerninhalt zu erfassen in dem Sie ihn mit

  • Musik,
  • Nummern und Reihenfolgen,
  • Bildern,
  • Worten,
  • Selbstreflektion,
  • Physischen Erfahrungen,
  • Sozialen Erfahrungen,
  • Oder Erfahrungen aus der natürlichen Lebensumgebung verknüpfen.

2. Man kann mit allen Tests nur Momentaufnahmen seiner mentalen Stärke machen. Die Theorie der multiplen Intelligenzen zeigt uns jedoch, welches enorme geistige Potenzial wir besitzen und dass wir unsere Stärken in allen Bereichen ständig ausbauen sollten.

Gedächtnis

Noch schlafen Sie. Doch dann klingelt der Wecker. Sie wachen auf und können sich an nichts mehr erinnern. Nein, nicht an das was letzte Nacht passiert ist, sondern an gar nichts mehr. Sie haben vergessen, wie Sie heißen, wer Ihre erste Liebe war, welche Farbe der Himmel hat, wie die Stimme Ihrer Mutter klingt und wie Sommerregen duftet. Ihr Gedächtnis ist ausgelöscht.

Sollten Sie es noch irgendwie schaffen, den Fernseher einzuschalten: Meinen Sie, dass Sie kapieren, was in der Tagesschau läuft? Werden Sie verstehen, was Elton John Ihnen vorsingt? Werden Sie überhaupt merken, dass es Musik ist?

Darüber haben Sie nie nachgedacht? Kein Wunder, Ihr Gedächtnis ist das wahre Meisterwerk Ihres Gehirns

Ihr Gehirn kann vermutlich 100 Billionen (100.000.000.000.000) Informationseinheiten speichern! Es gibt sogar berechtigte Vermutungen, dass Ihr Gehirn unendlich viele Inhalte aufnehmen kann – fast wie bei einem Hologramm. In Ihrem Gehirn befindet sich eines der leistungsstärksten Informationsverarbeitungssysteme der Welt!

Gedächtnisformen

Wahrscheinlich haben Sie schon mal ganz angestrengt nachgedacht, um eine Erinnerung wieder ans Tageslicht zu holen (das ist eine explizite Erinnerung; die Information wird aus Ihrer biologischen Festplatte abgerufen), sehr wahrscheinlich haben Sie aber auch schon mal in den Spiegel gesehen um Ihr Aussehen zu überprüfen und gedacht: „Irgendwas stimmt hier nicht.“ Vielleicht hatten Sie den Lippenstift vergessen, oder der Krawattenknoten hatte sich gelöst. Das haben Sie natürlich ohne größere Anstrengung bemerkt und korrigieren können (impliziertes Gedächtnis; die Information kommt von außen und wird mit Ihnen bekannten Informationen abgeglichen).

Das ist aber nicht die einzige Möglichkeit, Gedächtnisformen zu unterscheiden. Wenn Sie sich an die Telefonnummer Ihres Bekannten erinnern, dann betrifft das harte Fakten (deklaratives Gedächtnis), wenn Sie allerdings überlegen, wie das Telefonieren mit Ihrem neuen Mobiltelefon ging, geht es um Handlungen (prozedurales Gedächtnis).

Merken

Hoffentlich haben Sie sich die Telefonnummer gut gemerkt. „Merken“  bedeutet in der Fachwelt drei Schritte:

  • Enkodierung – die Information gelangt ins Gedächtnis (die Information repräsentiert nur einen Zusammenhang aus der Welt außerhalb, genauso wie Worte Gegenstände repräsentieren)
  • Speicherung – die Information bleibt im Gedächtnis
  • Abruf – die Information kommt aus dem Gedächtnis wieder raus

Das wir diesen Prozess in ein Wort quetschen hat guten Grund: Die 3 Schritte laufen nicht nacheinander ab, sondern hängen alle miteinander zusammen: Wenn Sie sich die 2 als erste Zahl der Telefonnummer merken wollten, mussten Sie erst mal überlegen, was das Symbol für 2 ist, und vorher haben Sie schon das Gesicht des Bekannten aufgerufen, und vermutlich auch eine Erinnerung zum Thema „Telefon“.

Kurzzeitgedächtnis

Okay, wenn Sie den Bekannten das letzte Mal vor 10 Jahren angerufen haben, haben Sie die Nummer vielleicht vergessen. Im Telefonbuch finden Sie:  85 73 4. Geben wir das jetzt ins Telefon ein, Sie gucken auf die Tastatur des Telefons und – sie können sich noch an die Zahlen erinnern. Sehr gut, willkommen beim ikonischen Gedächtnis.

Wenn Sie nur nachgesehen hätten und sich dann nicht weiter ums Telefonieren gekümmert hätten, wäre die Nummer bald wieder verschwunden. Die Teile des sensorischen Gedächtnisses (dazu gehört auch noch das echoische Gedächtnis für unsere Ohren) nehmen die Informationen nur für einen kurzen Moment auf, bevor Sie wieder verschwinden. Vieles ist auch gar nicht so wichtig und gelangt gar nicht erst als Information in unser Gehirn. Das ist auch gut so, sonst wären wir ziemlich bald ziemlich überfordert. Die Forscher sprechen hier ganz richtig vom Kurzzeitgedächtnis (KZG).

Wieviel Sie sich merken können?

3 bis 7 Inhalte. Dann macht Ihr KZG dicht. Wenn Sie in der Küche die Nummer rausgesucht haben und im Wohnzimmer das Telefon steht, werden Sie die Nummer wahrscheinlich vor sich hersagen, bis Sie am Telefon sind. Das ist der Trick, den die Fachleute Rehearsal nennen.  Es ist eine der beiden simpelsten Mnemotechniken: Wir Wiederholen die Information so, dass sie erhalten bleibt.

Der Zweite Trick ist das Chunking, bei dem wir Informationen gruppieren, z.B. mit Hierarchien, Ähnlichkeiten etc. Wenn Sie so wollen, ist das Chunking der große Zaubertrick, der hinter dem Mind Mapping steckt.

Das Arbeitsgedächtnis

Wirklich spannend ist, dass Sie es nicht nur schaffen, die Telefonnummer vor sich her zu merken, sondern dass Sie dabei auch noch bis zum Telefon ins Wohnzimmer gehen können. Wissenschaftler sagen, dass da noch ein anderer Teil des Gedächtnisses im Spiel ist. Ihre Theorie spricht von einem Arbeitsgedächtnis.  Machen Sie jetzt aber nicht den Fehler, sich das Kurzzeitgedächtnis und das Arbeitsgedächtnis als Orte vorzustellen. Gedächtnis ist ein Prozess!

Vom Kurzzeitgedächtnis wussten Sie vorher schon? Dann haben Sie bestimmt auch schon was vom Langzeitgedächtnis gehört. Aber: Das Kurzzeitgedächtnis ist out. Mittlerweile packt man das klassische Kurzzeitgedächtnis mit in das Arbeitsgedächtnis hinein. Man spricht von 3 Komponenten

  • Phonologische Schleife. Die phonologische Schleife kümmert sich um Sprachinformationen. Sie ist der Vorgang des Telefonnummernaufsagens, wie wir ihn uns beim KZG angeguckt hatten.
  • Visueller Notizblock. Wenn Sie sich statt Worten Bilder merken, dann ist das so, als hätten Sie kurz eine Skizze auf einen Notizblock gemalt…
  • Zentrale Exekutive. Das klingt, als hätten wir den Meister unseres Gehirns persönlich getroffen. Tatsächlich ist genau das sein Job. Er sorgt für Konzentration und  verteilt und koordiniert die Informationsverarbeitung

Das Arbeitsgedächtnis ist also der Korridor zwischen Außenwelt und Langzeitgedächtnis. Er sorgt so auch dafür, dass wir Gegenwart erleben.

Das Langzeitgedächtnis

Auf meinem Schreibtisch landen jeden Tag sehr viele Dinge im Eingangskorb, meinem Bild für das Arbeitsgedächtnis. Vieles davon wird sofort von mir erledigt. Aber eine ganze Menge muss auch in einem großen Archiv verschwinden. Das große Archiv aus Erfahrungen, Emotionen, Wörtern, Geschicken, Kategorien, Richtmaßen etc. ist das Langzeitgedächtnis (LZG).

In meinem Archiv gibt es einzelne Akten mit Überschriften: „Dokumente“, „Rechnungen“, „Verträge“… Das sind im Langzeitgedächtnis Konzepte.

Wenn ich das Wort „Schule“ sage (Hinweisreiz), werden ganz bestimmte Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis in Ihr Bewusstsein strömen. Hinweisreize ermöglichen uns das Abrufen. Sollten Sie allerdings an einem Gebäude vorbeilaufen und es als Schule identifizieren, reden wir nicht von Abrufen (dem „ mentalen beantworten einer Frage“), sondern vom Wiedererkennen.

Sollten Sie sich vorhin an Ihren ersten Schultag erinnert haben, dann haben Sie einen episodischen Gedächtnisinhalt zu Tage gefördert. Wenn Sie allerdings an binomische Formeln gedacht haben, dann war das eher ein semantischer Gedächtnisinhalt. In einem episodischen Zusammenhang (einem persönlichen Erlebnis) haben Sie – wenn es so war – auch mal die binomischen Formeln gelernt. Diese haben Sie aber von ihrem Kontext losgelöst und können Sie jetzt jederzeit verwenden. Das ist der Unterschied zwischen episodischen und semantischen Inhalten.

Übrigens: Es fällt Ihnen leichter, sich an semantische Inhalte wieder zu erinnern, wenn der Kontext beim Enkodieren der gleiche wie beim Abfragen ist. Fehler ausmerzen

Wenn ich eine falsche Fremdwortbedeutung gelernt habe, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass ich mir die die Richtige nur schwer einprägen kann: Es ist so, als würden sich die neue Information und die alte gegenseitig blockieren. Das nennt man Interferenz und kennt man von Wellen. Eine Welle und ein Wellental auf der gleichen Position heben sich auf.

In meinem Archiv läuft das ähnlich: Wenn ich einen neuen Arbeitsvertrag vom gleichen Arbeitgeber bekomme – zum Beispiel weil der Chef seinen Namen nicht richtig geschrieben hat -, habe ich zwei in meiner Ablage liegen. Wenn ich beide liegen lasse, habe ich später Schwierigkeiten den  Gültigen zu finden. Ich werfe den ungültigen Vertrag sofort in den Müll. Das Gedächtnis ist etwas langsamer (aber es geht wie immer auf Nummer sicher) und packt den gültigen Vertrag erst einmal in eine rot leuchtende Klarsichthülle (man versucht die richtige Information intensiver einzustudieren als die falsche). Erst viel später ist die alte Erinnerung mit der falschen Information so verblasst, dass wir uns nicht mehr daran erinnern.

Die innere Ordnung im Chaos

Oben haben wir schon einen Teil der Gedächtnisstruktur kennen gelernt:Das LZG ist in einem etwas weiteren Sinne in Kategorien unterteilt, den Konzepten. Aber in der Akte gibt es noch  Unterteilungen, so dass sich die einzelnen Rechnungen innerhalb der Akte „Rechnungen“(Basisebene) auch noch nach einer Hierarchie anordnen lassen (Das ist der zweite große Trick hinter Mind Maps: Zentralbild und Äste).

Wenn Sie Ihre Akten zur Lebens-, Kranken-, Pflege und Rentenversicherung in einer Aktenbox  gebündelt haben, dann haben sie ein Schema aufgestellt. Wenn Sie all Ihr Wissen zum Thema „Bett“ bündeln, so dass Sie es auch auf noch nie gesehene Betten beziehen können, dann haben sie ein Schema (die Wolke um einzelne Äste und Zweige der Mind Map) aufgestellt, sozusagen einen Prototyp – inklusive aller Informationen, auf die Sie sich konzentriert hatten, aber nicht mit speziellen Details.

Die Sache mit den Prototypen ist aber nicht unumstritten. Es gibt noch eine andere Theorie: Wenn Sie eine Rechnung in die Finger bekommen, überlegen Sie vielleicht nicht, ob sie  die Merkmale des Prototyps „Rechnung“ aufweist, sondern vergleichen Sie mit anderen Rechnungen bezüglich der Merkmale. Das Neue wird mit den schon vorhandenen Exemplaren verglichen.

Ein Liebesbrief ist natürlich keine Rechnung. Sollte er mal zwischen dem Stapel von Rechnungen gefallen sein, werden Sie ihn schnell identifizieren. Das Unpassende (atypische) fällt Ihnen schneller auf als das Passende (typische).

Infos ganz am Ende kann man sich besonders gut merken!

Erinnern bedeutet nicht nur Abrufen. Der Vorgang wird stark manipuliert: Wir erinnern uns schneller an das, woran wir uns schon mal erinnert haben (Konstruktion). Und es wird nur nach der Information gesucht, die wir brauchen (Selektion).

Außerdem können auch neue Informationen den Abruf von alten Informationen in eine bestimmte Richtung lenken. Wenn Sie Dachdeckern beim arbeiten zusehen, werden Sie unter der Kategorie „Unfall“ auf ganz andere Ideen kommen als wenn Sie im Auto säßen.

Manchmal betrügt uns unser Gedächtnis: Es macht Fehler – scheinbar. Unser Gedächtnis vereinfacht, hebt bestimmte Sachverhalte hervor und ändert manchmal Details, damit sie zu schon bekanntem Wissen passen. Im Fachjargon heißt das: Nivellierung, Akzentuierung und Assimilation. – Zeugenaussagen werden dadurch fraglich, aber unser Gedächtnis ist nicht überfordert und passt die neuen Mosaiksteine optimal in unser großes Archiv ein.

Das Gedächtnis ist übrigens an ziemlich vielen Stellen im Gehirn vertreten!

Was Ihr Gehirn mit dem Lernen eines afrikanischen Dialekts zu tun hat

Okay, die wesentlichen Punkte an unserem menschlichen „faszinierenden Gehirn“ haben wir nun angesprochen:

  • Unser Gehirn hat eine unheimlich große Zahl an Nervenzellen und Querverbindungen, Gedankenverknüpfungen entstehen zahlreich und detailiert.
  • Außerdem haben wir uns das hohe Potential der beiden Gehirnhälften angeguckt,
  • und haben erfahren dass wir durch eine Synchronisation der beiden Hälften unser  Gehirn noch besser zum denken verwenden können.
  • Nachdem ich Ihnen das Hologramm als Modell für die Gehirnfunktionen vorgestellt hatte,
  • habe ich auch noch Informationen zum Thema Gedächtnis nachgereicht, die Ihnen eines der größten Archive der Welt vorgestellt haben.

Wenn Sie immer noch nicht von Ihrem Gehirn, ihrem mentalen Potential überzeugt sind, dann muss ich Ihnen jetzt sagen: Das kann doch jedes Baby!

Haben Sie schon mal einem Vortrag in einer Fremdsprache zugehört die sie nicht kannten, zum Beispiel in einem afrikanischen Dialekt?

Haben Sie schon einmal einen Fachvortrag in einer Ihnen unbekannten Sprache gehört, bei dem Sie noch nicht einmal den Gegenstand der Diskussion kannten?

Haben Sie schon einmal einen Fachvortrag zu einem unbekannten Gegenstand in unbekannter Sprache gehört und dabei Positionen gehört, die keinen Sinn ergeben?

Das Verständnis wird sehr schwierig sein und wegen der Fremdartigkeit wird es Ihnen auch schwerfallen, die einmal erkannten Laute wiederzuerkennen. Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Wörtern wird oft unklar sein.

Vermutlich werden Sie die Fragen  mit „Nein“ beantwortet haben. Als Säugling war allerdings genau das die Situation. Wenn Sie allerdings mit ca. 2 Jahren sprechen gelernt haben, haben Sie dieses Problem schon einmal überwunden!

Sprechen lernen ist zwar ein sehr verbreiteter Vorgang – es gibt nur wenige Ausnahmen – aber man macht sich selten Bewusst, was für ein gigantischer Prozess dahintersteckt. Sprechen lernen, bedeutet sich als Unwissender in eine fremde Welt zu integrieren – und alles was neu in dieser Welt auf mich zukommt zu lernen.

Zusätzlich haben Babys auch noch gelernt zu sortieren was Sinn macht und was nicht – darauf hatte sich meine dritte Frage ja bezogen. Eine Sprache zu verstehen bedeutet nicht, dass ich die Inhalte dieser Sprache auch bewerten kann. Babys haben neben dem Sprechen lernen auch dieses Problem gemeistert!

Und vergessen Sie nicht die Gehirnhälften! Eine Sprache zu lernen ist eng verknüpft mit  unterbewusstem Geschick für Rhythmus, Musik, Linguistik, Physik, Mathematik, logischem Denken, Urteilsvermögen und Kreativität. Neben den Hemisphären müssen wir uns aber auch an das Gedächtnis erinnern: Die Fähigkeit neues aufzunehmen, zu integrieren und wieder abzurufen ist für das Sprechen lernen enorm.

All das haben auch Sie fertig gebracht! Heutige Argumente für mentales Faulenzen und Ausreden für eigenes Unvermögen platzen erscheinen winzig (Nur die Ausrede „Ich bin doch auch nur ein Mensch“ lasse ich gelten!).

Nehmen Sie Ihr Gehirn wieder an die Hand…

Der Kopf ist Rund, damit verbohrtes Denken auch mal die Richtung wechseln kann – Radiant Thinking

Wenn ich Ihnen das Wort „Ball“ sage, an was denken Sie dann? Fußball, Tischtennisball, ein spielendes Kind? Tanzen, wehende Kleider, Walzer?

Wörter sind bedeutungsvariabel. Sobald sich ein Wort an das andere hängt, ändert sich die Bedeutung des Wortes. Im Mind Mapping hänge ich ein Wort an das andere, was den Inhalt der Worte definiert. Das Gehirn fabriziert uns bei guten Schlüsselwörtern die richtigen Verbindungen.

Wenn das nicht nur einmal abläuft, sondern mehrfach hintereinander, bekommen Sie eine Kette.

Wenn Sie an ein Wort mehrere andere Wörter anhängen, bekommen Sie beim niederschreiben eine Figur, die einer Ihrer Nervenzellen, oder aber der Kinderzeichnung einer Sonne sehr ähnlich sehen. Wie bei der Sonne stahlen die Gedanken in alle Richtungen aus. Ich muss mich korrigieren, nicht in alle Richtungen, sondern in die Richtungen, die auch ihre Gedankenimpulse durchlaufen sind. Das ist der Grundvorgang Ihres Denkens und der Grundvorgang hinter einer Mind Map.

Linearität verhindert, das wir im Leben neue Wege gehen

Jetzt kommt das Problem: Genauso wie wir es uns angewöhnt haben, lineare Notizen zu machen, haben wir es uns auch angewöhnt, linear zu denken. Erst müssen wir das machen, dann das, dann das. Das schränkt die Kreativität und das aneignen von Wissen erheblich ein. Unser Gehirn arbeitet so nicht mehr effizient.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch beim Radiant Thinking, dem strahlenden Denken, wird immer wieder – aber eben nur für einen ganz kurzen Moment – linear gedacht. Aber es wird auch immer wieder zu Ausgangswörtern zurückgegangen. Dieses Zurückspringen können macht uns so unheimlich flexibel!

„Radiales Denken (was so viel wie „von einem Mittelpunkt ausstrahlen“ heißt) bezieht sich auf assoziative Denkprozesse, die von einem Mittelpunkt ausgehen oder mit einem Mittelpunkt verbunden sind. Die andere Bedeutung des englischen Begriffs „radiant“ lautet „hell leuchtend“, „vor Freude und Hoffnung strahlende Augen“ und „der Brennpunkt einer Sternschnuppe“ – vergleichbar mit einem Gedankenblitz.“

Von Tony Buzan und Barry Buzan in Das Mind-Map-Buch (Kapitel „Natürliche Architektur“, S. 57)

Ich habe Sie aufgefordert, sich einen Ball vorzustellen. Wenn Sie jetzt an Ball denken, werden Sie vermutlich beide Möglichkeiten in Betracht ziehen, die Tanzveranstaltung und das Sportmittel. Sie visualisieren beides – auf eine strahlende Art und Weise.

Wir haben über Gedächtnis gesprochen und ich habe viel von Verknüpfungen und Assoziationen der einzelnen Informationen gesprochen, ja sogar von Einbettung neuer Informationen. Umso mehr wir lernen, desto leichter wird das lernen. Jetzt können Sie sich vorstellen, wie alles miteinander Zusammenhängt – auf eine strahlende Art und Weise.

Wir haben auch den Einsatz beider Gehirnhälften besprochen, als Synthese. Bei dieser Synthese kommt es zu enormen Effekten, bei denen Sie viele mentale Fähigkeiten auf ein Problem oder eine mentale Anforderung anwenden. Sie setzen Ihre mentalen Werkzeuge alle gleichzeitig an ein Problem an  – auf eine strahlende Art und Weise.

Auf eine strahlende Art und Weise zu denken versteht sich also eigentlich von selbst. Ich hätte diesen Teil auch an den Anfang stellen können, aber so fasst er zusammen, was am Gehirn so faszinierend ist: Einem Computer weit überlegen, kann es Gedanken in alle Richtungen abfeuern, eine mentale Explosion! Wir müssen es nur lassen.

Radiales Denken kann der kleine Unterschied zwischen einem guten und einem großen Gehirn sein. Mind Mapping ist die Technik, die unsere radialen Denkprozesse in einer radialen Notizform wiederspiegelt.

Wer radial denkt, lässt ein umfassendes und alles ausfüllendes Denken zu.

Der Mittelpunkt ist die Quelle unseres Denkens, um das sich Assoziationen wie Gelerntes, Gefühle, Erinnerung und kreative Ideen anordnen lassen.

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