
Quelle: http://farm1.static.flickr.com/22/88101376_68c89b37c7.jpg
Gedichte kann man nicht schnell lesen. Ganz einfach deshalb, weil die Wörter eine solche Dichte erreichen, dass man der Poesie nicht mehr Folge leisten kann. Wenn Sie abends Romane lesen die Sie in fremde Welten und exotische Abenteuer entführen, sind Ihre Augen vielleicht zu müde um Gas zu geben, oder Sie können sich dann nicht so gut vom Text gefangenen nehmen lassen. Für alles andere gibt es Schnelllesetechniken. Wenn Sie zu denen gehören, die am Ende eines Tages Sachbücher lesen: Lassen Sie das! Es lässt Sie zu viel über Ihre eigene Lebenssituation nachgrübeln und stört so Ihre Nachtruhe.
Manchmal gibt es Momente, in denen man um das Lesen von trockenen Themen nicht umhin kommt. Man muss die Informationen einfach haben. Wie wäre es, wenn Sie Ihre Lesearbeit in nur 20% der sonst üblichen Zeit erledigen könnten?
Ich habe für Sie ein paar einfache Tipps und Tricks zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Lesegeschwindigkeit deutlich erhöhen können und damit Zeit sparen, die sie für besseres gebrauchen können:
Eigentlich geht es um 3 Sachen, die uns beim Lesen stören:
- Wir bleiben an den Wörtern kleben, weil wir uns nicht selbst drängen schneller zu sein. Das verhindern Sie mit einer Lesehilfe.
- Wir springen mit den Augen zurück zu dem was wir schon gelesen haben und hüpfen hin und her – die sogenannte Regression.
- Wir vernachlässigen die Menschliche Fähigkeit des peripheren Sehens und vernachlässigen so einen geraumen Teil unseres Blickfeldes.
Hier sind meine vier Geheimnisse des schnellen Lesens:
- Wenn Sie eine „Lesehilfe“ verwenden, können Sie ohne viel Aufwand dafür sorgen, dass Ihre Augen entspannter und erheblich schneller lesen können: Fahren Sie mit einem Stift oder Ihrem Finger die Zeilen ab. Schnell. Probieren Sie es doch an drei oder vier Texten einfach mal aus.
- Wenn Sie noch ein bisschen mehr Geschwindigkeit wollen, sollten Sie versuchen immer ab dem dritten Wort in der Zeile zu fokussieren und dann in die nächste Zeile wechseln, wenn sie am drittletzten Wort angekommen sind.
- Noch schneller geht es, wenn Sie üben, einen Anfangs- und Endpunkt pro Zeile zu fokussieren und dann wieder die Zeile zu wechseln. Wenn Sie das vier Seiten lang üben, erreichen Sie Ihre optimale Lesegeschwindigkeit und können in dem Tempo einpendeln und bequem weiterlesen.
- Wer das richtig gut kann, liest demnächst so wie ich, in dem er in ein paar Schleifen mit den Augen über die Seite fährt und dann wechselt – zur nächsten Seite.
Übrigens: Ein normaler Leser liest ca. 250 Wörter in der Minute. Mit ein bisschen Übung können Sie 500 Wörter in der Minute lesen. Trainierte schaffen um die 1000 Wörter in der Minute.
19 Tipps und Tricks zum Schnelllesen:
- Stift und Papier während des Lesens zur Hand zu haben ist sehr hilfreich.
- Sie können nicht alles gleichzeitig lesen. Treffen Sie eine bewusste Entscheidung und lassen Sie den Rest liegen. Alles schön nacheinander.
- Lesen Sie die Kapitelüberschrift und den ersten Abschnitt mit besonders viel Aufmerksamkeit. Es wird Ihnen meist verraten wer wo wann ist und um was es geht.
- Wenn Sie mit dem Lesen einmal anfangen, hören Sie nicht wieder auf. Lesen Sie den Text oder das Kapitel zu Ende, meinetwegen auch das ganze Buch. Wenn Sie die letzte Seite gelesen haben und Ihnen etwas unklar ist, schauen Sie nochmal nach.
- Lesen Sie den Klappentext, die Zusammenfassung oder die Hilfen zum Textverständnis vorher!
- Bekommen Sie vor dem Lesen ein Gefühl dafür, wie das Buch aufgebaut ist. Wie viele Teile gibt es, wie sehen die Kapitel aus, gibt es Bilder oder Zeichnungen, wie ist das Seitenlayout.
- Um Rückwärtsbewegungen der Augen beim Lesen zu vermeiden, sollten Sie eine Lesehilfe verwenden (Stift, Finger, Lineal …).
- Lesen Sie mit dem Kopf und nicht mit Ihren Lippen.
- Trainieren Sie es sich ab, jedes gelesene Wort mental auszusprechen. Stattdessen sollten Sie sich voll und ganz auf Ihr peripheres Sehen verlassen und versuchen Wörter und Satzphrasen gleichzeitig wahrzunehmen.
- Schreiben Sie an den Kapitelanfang – wenn es keine aussagekräftige Kapitelüberschrift gibt – ein bis vier Sätze als Inhaltsübersicht. Das macht es Ihnen viel einfacher an die Stellen zurückzukehren, die Sie sich nochmal anschauen müssen.
- Wenn Sie am Bildschirm lesen, benutzen Sie den Cursor als Finger und Ihre Augen laufen dem Cursor hinterher – klar, Augen lieben es, sich bewegenden Objekten nachzuschauen.
- Während Sie lesen, ist es sehr hilfreich, zwischendurch Anmerkungen und Notizen zu machen. Das hilft auch das Gelesene im Kopf herauszuheben und macht es Ihnen nach dem Lesen einfacher sich an die wichtigen Details zu erinnern.
- Wenn Sie etwas nicht sofort verstehen, machen Sie sich eine kurze Randnotiz mit einem weichen Bleistift (Ich glaube, dass eine sehr feine Bleistiftlinie weniger das Papier beschädigt als der menschliche Finger!). Lesen Sie die markierten Stellen nochmal.
- Unterstreichen Sie nur Schlüsselwörter! Falls Sie sich „von zu Hause Akten“ mitgenommen haben, sollten Sie beim Lesen alle Definitionen und Fachbegriffe unterstreichen und Beispiele markieren. Außerdem sind Kreise und Kästen hilfreich um spezielle Wörter und Phrasen herauszuheben. Wenn Sie ein philosophisches Buch lesen, können Sie aufeinanderfolgende Gedankengänge nummerieren.
- Verbessern Sie Ihr Vokabular. Wenn Sie sich immer wieder mit neuen Wörtern füttern, brauchen Sie weniger Zeit um beim Lesen herauszufinden was diese bedeuten.
- Wenn Sie Ihr Lese-Ziel kennen, haben Sie es einfacher, den einen Text nur zu überfliegen um dann den wunderschönen Roman anfangen zu können.
- Lesen Sie ein bisschen schneller, als Sie das normalerweise tun. Das trainiert Ihre Lesegeschwindigkeit und Ihre Konzentration.
- Wenn Sie sich nicht konzentrieren können, weil andere/s Sie ablenkt, sollten Sie trotzdem lesen, aber nur fünf bis zehn Minuten. Auch das können Sie von Zeit zu Zeit steigern. Eine wahre Konzentrationsübung.
- Lesen Sie mehr!
Ein Kommentar
Hallo Herr Rütten,
das sind alles interessante Tipps für das Schnelllesen… .
Wie sieht es in diese Hinsicht mit dem Behaltenseffekt der Informationen aus und dem im Gehirn dann generierten Wissen???
Gibt es dazu wissenschaftliche Untersuchungen, die diese Lesetechnik validisiert haben und Aussagen zum Behaltenseffekt machen können.
Gruß aus Berlin, Lothar