Ihr Weg zum Power-Gedächtnis
(Foto: procsilas)
7 mentale Kräfte
Besitzen Sie folgende mentale Kräfte?
- Fantasie. Das unwillkürliche Vorstellen von Dingen. Ein eher kreativer und ausschweifender Akt.
- Visualisieren. Das bewusste Vorstellen einer bestimmten Handlung oder eines Prozesses.
- Logik. Das Erkennen von Systemen, Hierarchien und Beziehungen.
- Emotion. Der „Textmarker“ für Wissen und Informationen.
- Transformation. Das „Übersetzen“ von abstrakten Informationen zu Bildern. In der Zahl 2 einen Schwan sehen, in der Zahl 4 ein Segelboot.
- Lokalisation. Orte mit Informationen verbinden.
- Assoziation. Informationen miteinander verknüpfen.
Herzlichen Glückwunsch! Sie sind in der Lage, Ihr Gedächtnis zu verwenden.
Verständnis und Gedächtnis funktionieren unterschiedlich
Es gelten nicht die gleichen Regeln. Wenn wir Wörter beim Lernen verstanden haben, heißt das nicht, dass wir die Wörter später erinnern können.
Was wir über das Erinnern wissen
- (Der Serielle Positionseffekt:) Es gibt mehr Erinnerung an die Anfangs- (Primacy-Effekt) und Endphasen (Recency-Effekt) einer Lerneinheit.
- Mehr Erinnerung an Informationseinheiten, die durch Wiederholung (Rehearsal), Sinn (Chunking), Reime, Hierarchien etc. assoziiert werden.
- Mehr Erinnerung an Dinge, die aus dem Rahmen springen oder einmalig sind (Restorff-Effekt)
- Mehr Erinnerung an Dinge, die mit Ihren besonderen Interessen zusammenhängen.
Der Schlüssel zum Gedächtnis sind Verknüpfung (Assoziation) und Vorstellungskraft (Imagination). Grundsätzlich können wir uns auch Informationen besser merken, wenn sie mit:
- Fantasie,
- Alle Sinne einsetzen (Synästhesie/ Sensualität),
- Reihenfolgen, Ordnung und Systeme,
- Bewegungen,
- Erotik/ Sexualität,
- Nummern und Zahlen,
- Positive Vorstellungen,
- Reichtum an Farben,
- Assoziation,
- Codes,
- Humor,
- Tiefe Eindrücke (Übertreibung)
einhergeht.
Erinnerung durch Nichts-tun
Nehmen wir einmal an Sie sitzen in einer Vorlesung, oder Sie lernen aus einem Buch oder mit einem Massenmedium: Nichts-tun kann eine echte Option für mehr Erinnerungsvermögen sein. Wenn Sie während des Lernens Unterbrechungen machen, halten Sie ein konstant hohes Niveau Ihrer Erinnerungsleistung. Alle 20 bis 60 Minuten eine kurze Pause einzulegen ist optimal – und hilft sich zu entspannen und so muskuläre und mentale Anspannung zu lockern.
Sie brauchen Pausen:
- Unterbrechungen ermöglichen dem Körper eine Ruhezeit und die Möglichkeit sich zu entspannen.
- Erinnerung und Verstand werden so optimal synchronisiert.
- Pausen ermöglichen eine kurze Inkubation für das Gedächtnis (siehe nächster Abschnitt): Das Neugelernte wird komplett mit dem schon vorhandenen Wissen integriert.
Erinnerung nach dem Lernen
Wenn Sie mit dem Lernen fertig sind, hatte Ihr Gehirn noch nicht genug Zeit, die neuen Informationen zu integrieren. Sie brauchen etwas Inkubationszeit. Nach wenigen Minuten ist Ihr Erinnerungsvermögen also nochmal ein wenig angestiegen, bis es in einer steilen Abwärtskurve hinunterstürzt und sich etwas über Null wieder stabilisiert. Sie können nie ganz vergessen, aber: Nach 24 Stunden haben Sie 80% des Gelernten wieder verloren!
Dieser große Verlust muss durch geeignete Wiederholungstechnik ausgeglichen werden:
Sie haben die Möglichkeit, die Erinnerung weiter auf dem Höchststand zu halten: Durch Organisation. Das klingt kompliziert, ist aber unheimlich einfach. Sie müssen Zeitfenster für das Wiederholen beachten:
- Wiederholung nach 10 Minuten
- Wiederholung nach 24 Stunden
- Wiederholung nach 1 Woche
- Wiederholung nach 1 Monat
- Wiederholung nach 6 Monaten
Danach ist Ihr Wissen fest verankert und trägt erheblich zu Ihrem kreativen Potenzial bei! Die Zeit, die Sie für die einzelnen Wiederholungen brauchen, wird dabei immer kürzer werden und ist ein guter Spiegel für den Grad der Verankerung in Ihrem Gedächtnis. Für die erste Wiederholung brauchen Sie noch 10 Minuten, für die letzte weniger als eine.
Die erste Wiederholung ist eine Revision. Wenn Sie in der Lernphase eine Mind Map gemacht haben, sollten Sie die Wiederholung nutzen, um die Mind Map neu zu ordnen, zu verfeinern, Verbindungen und Farben einzusetzen, hinzuzufügen und zu überarbeiten. Voila! Die erste Wiederholung ist getan.
Alle weiteren Wiederholungen sollten anders ablaufen: Nein, nicht noch mal durchlesen! Gehen Sie wie folgt vor: Schreiben Sie (in einer Mind Map) alles auf, an das Sie sich erinnern können (So nutzen Sie den „Vorheizeffekt“ [primacy effect]). Dann können Sie an Hand dieser Notizen Ihre originalen Aufzeichnungen durchgehen und überprüfen, wo Lücken sind, bzw. Korrekturen und Ergänzungen notwendig sind.
Wenn Sie nicht Wiederholen müssen Sie nochmal lernen!
Umso mehr wir lernen, desto mehr können wir erinnern. Umso mehr wir erinnern, desto mehr können wir lernen.
Wer die Wiederholungseinheiten nicht nutzt, muss die Informationen nochmal lernen! Das bedeutet, dass Sie durch Wiederholung sehr viel Arbeitszeit sparen: Der akkumulative Effekt. Infos ein zweites Mal lernen zu müssen ist ein schwerer Nachteil: Ein Räuber von Zeit, Energie, Konzentration und Denkkraft der Ihr Unterbewusstsein unnötig beschäftigt und so Ihre persönliche Freiheit einschränkt.
Außerdem: Wenn Sie sich in eine neue Lernphase begeben, ist das Erinnerungsvermögen sehr niedrig: Verknüpfungen, die sich von selbst ergeben sollten, kommen nicht zu Stande. Auch neuer Stoff kann so nicht schnell aufgenommen werden. Verständnis und Effizienz werden eingeschränkt. Die Lust am Lernen wird immer geringer und wer seine Examen erst mal geschafft hat, wird sich nicht mehr weiterbilden und ein neues Buch in die Hand nehmen.
Gedächtnisjogging
Wenn Sie sich an regelmäßige Wiederholungen halten, trainieren Sie auch ihr alltägliches Erinnerungsvermögen. Gedächtnis beruht auf Assoziationen und Verknüpfungen. Umso mehr Informationen verblassen, desto weniger Verknüpfungspunkte gibt es für neue Informationen. Nutzen Sie das Schneeballsystem Gedächtnis, indem Sie nach Plan wiederholen: Je mehr gelerntes Wissen Sie konservieren, je mehr neues Wissen können Sie aufnehmen und einbinden.
Verbessern Sie Ihre Gedächtniskraft mit Mnemonik:
Mnemonik ist das Schlau-Wort für „Die Kunst der Eselsbrücken“. Eine Merkhilfe ist ein Wort, ein Bild oder ein System oder ähnliches, das Ihnen hilft einen Namen, eine Phrase oder eine Abfolge von Fakten zu erinnern. Das Wort kommt vom griechischen Wort mnemon, und bedeutet „aufmerksam“.
Vielleicht haben Sie in der Schule gelernt: „Wer nämlich mit H schreibt, ist dämlich.“ Diese Mnemotechnik beruht auf einem Reim. Möglicherweise hat man Ihnen im Musikunterricht auch den Spruch „Frische Brötchen esssen Asse des Gesangvereins“ beigebracht – damit merken Sie sich die „b“-Vorzeichen am Anfang der Notenzeile.
Mnemonik wirkt dadurch, dass sie Ihre Vorstellungskraft aktiviert und Wörter und Mittel benutzt, damit ihr Gehirn Verknüpfungen herstellt.
Es gibt sehr unterschiedliche Mnemotechniken
Assoziationsketten sind besonders typisch:
- Zahlen-Symbol-Methode (eine 1 sieht aus wie eine Kerze, eine 2 wie ein Schwan…)
- Buchstaben-System (Z wie Zitrone – dann wird dem Lerninhalt im Fantasiebild eine Zitrone zugeordnet)
- Loci-Methode (Spaziergang durch ein Zimmer (Meister spazieren durch einen sizilianischen Gedächtnis-Palast) und die Lerninhalte werden als Spaziergang mit bestimmen Rauminhalten verknüpft)
Diese Liste lässt sich noch stark erweitern. Erwähnt sei als Technik für Fortgeschrittene noch das Major-System mit der SEM³-Ergängzung.
Beitrag geschrieben am 16.06.2009 um 05:30 durch Lukas Rütten
Schlagwörter: Gedächtnis, Genie, Lernen, Memorieren, Wissen
Kategorie: Lernen
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